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11. Dezember 2019

Landtagsrede: Der Nationalpark Kellerwald-Edersee wird erweitert

Meine Damen und Herren Abgeordnete!

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee ist von so herausragender Bedeutung für die Biodiversität in Hessen, dass er wirklich einen eigenen Tagesordnungspunkt in dieser Landtagssitzung verdient. Einen Abgesang, wie er gerade stattgefunden hat, halte ich vor allem angesichts der Tatsache, dass Biodiversitätsverlust neben der Klimakrise die zweitgrößte Bedrohung für das Überleben der Menschheit ist, für einen ziemlich bedauerlichen Debattenbeitrag, wenn ich das mal so sagen darf.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

Ich freue mich jedenfalls, dass wir bereits eine ganz wichtige Etappe zurückgelegt haben. Das ist das Verdienst und die Gesamtleistung vieler Menschen in der Region, und das hat auch eine längere Vorgeschichte. Das haben schon die beiden Abgeordneten von CDU und GRÜNEN erwähnt.

Vor 16 Jahren wurde der Nationalpark gegründet. Vorab gab es heftige Diskussionen und Streit um die Frage: Wollen wir einen Nationalpark in Hessen – ja oder nein – an dieser Stelle, und, wenn ja, wie groß soll er sein? Die Diskussionen waren mit der Einrichtung des Nationalparks noch nicht vollständig am Ende. Es gab immer noch viele Ängste, was das eigentlich für die Region bedeuten würde. Deswegen kam es zum Versprechen der damaligen Landesregierung: Mit dem Nationalpark wird auch in Richtung der Erweiterung nichts gegen den Willen der Region geschehen, sondern immer nur im Einklang mit der Region. – Die Landesregierung hat dieses Versprechen genau so eingehalten.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Inzwischen ist klar, dass die gesamte Region vom Nationalpark profitiert. Er ist nicht nur ein Naturschutzjuwel, sondern er ist auch ein Magnet für den Tourismus. Nicht nur die Menschen in der näheren Umgebung gehen gerne in ihren Nationalpark und erholen sich dort und schauen, wie er sich entwickelt; vielmehr kommen viele Menschen aus Hessen und verbringen dort einen Tag, ein Wochenende, eine Woche. Weiterhin kommen Tausende von Besucherinnen und Besuchern aus Deutschland und darüber hinaus. Das bringt Wertschöpfung in die Region.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Drei Nationalpark-Informationszentren sind mittlerweile entstanden, die in den drei Nationalparkgemeinden Vöhl, Edertal und Frankenau Anziehungspunkte für Touristen und Tore in den Nationalpark bilden. Wer hätte vor 16 Jahren gedacht, dass drei Gemeinden unbedingt „Nationalparkgemeinde“ heißen wollen? Ich bedanke mich bei meinem Kollegen Peter Beuth – er ist jetzt leider nicht da; aber ich erzähle es ihm nachher noch einmal –, dass er es möglich gemacht hat, dass die Gemeinden so heißen, weil das auch einen Werbeeffekt hat. Das zeigt wirklich: Der Nationalpark ist in der Region angekommen.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

Mit dem Fahrtziel Natur, der Reaktivierung der Bahnstrecke Frankenberg–Korbach und der Entwicklung von „MeineCardMobil“ wurden Mobilität und öffentlicher Nahverkehr entscheidend weiterentwickelt, sodass dort auch im wahrsten Sinne des Wortes sanfter Tourismus entstehen kann. Meine Damen und Herren, der Rotbuchenwald im Nationalpark ist aufgrund seiner Größe und Naturnähe einzigartig als ein Teilgebiet des UNESCO-Weltnaturerbes ausgezeichnet. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Auch deshalb können ein umfangreiches Bildungs- und Veranstaltungsprogramm sowie ein Netz von 20 gut ausgeschilderten Rundwanderwegen jedes Jahr Tausende Besucherinnen und Besucher in den Nationalpark locken. Auch die Forschung ist höchst interessiert an den Entwicklungen des Nationalparks. Ja, es ist richtig: Wir wissen nicht, wie schnell Buchenbestände jetzt vielleicht absterben, zu Totholz, Altholz werden und wie sich der neue Nationalpark entwickeln wird. Es kann schneller gehen aufgrund der Klimakrise; es kann sein, dass sich das doch noch weiter hinauszögert. Aber auch das ist das Wesen von Biodiversität, von Nationalparks, die in ihren Kerngebieten sich selbst überlassen werden, damit sie sich entwickeln, so wie sich eben die Natur entwickelt. Auch das gibt Möglichkeiten für weitere Forschung. Wir werden die Erkenntnisse dann auch weiter umsetzen bei der Frage, wie wir mit Natur und Biodiversität umgehen werden.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

Meine Damen und Herren, in den letzten Jahren hat insbesondere das Naturschutzgroßprojekt der Kellerwaldregion neue Impulse für den Schutz und die Entwicklung der Flächen nördlich und um den Edersee und einen Schub für die große naturschutzfachliche Entwicklung gegeben. Aus dem Projekt hat sich ergeben, dass mindestens vier Kerngebiete, zu denen auch die Edersee-Steilhänge gehören, überwiegend unter besonderen Schutz zu stellen sind. Dann war die Frage: In welcher Kategorie macht man das? – Ich finde es richtig – und wir haben das sehr unterstützt –, dass man die Entscheidung fällt, auch in der Region die Kategorie Nationalpark zu wählen; denn das ist in der Region als Begriff vertraut. Das hat einen Wert. Das ist Naturschutz aus einer Hand. Der Name „Nationalpark Kellerwald-Edersee“ ist damit auch weiterhin über die Region hinaus bekannt. Ich glaube, dieser Begriff steht für sich. Deswegen ist es gut, dass sich die beteiligten Kommunen und viele Verbände und Vereine zusammengefunden haben und gesagt haben: Wir wollen, dass der Nationalpark Kellerwald-Edersee erweitert wird.

Wir haben diese Initiative aufgegriffen. Im Frühjahr bereits konnte ich mit den drei Bürgermeistern aus den beteiligten Kommunen und dem Landrat des Landkreises Waldeck-Frankenberg eine Absichtserklärung für die Erweiterung des Nationalparks unterzeichnen.

In den vergangenen Wochen und Monaten ist es uns dann wirklich gelungen, partnerschaftlich auf Augenhöhe einen Dialog in den Arbeitsgruppen zu führen, wo ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Betroffenheiten beteiligt waren. Die Quintessenz war – das finde ich besonders bemerkenswert –, dass wir dann eine Nationalparkverordnung entwickeln konnten, die einstimmig im Nationalparkbeirat beschlossen wurde. Einstimmig, über alle beteiligten Kommunen, den Landkreis, die Landwirtschaft, die weiteren beteiligten Verbände vor Ort, den Tourismus hinweg: Alle waren einverstanden. Das ist ein Wert, das ist ein Pfund, mit dem wir jetzt wuchern können und mit dem vor allem auch die Region wuchern kann, weil sie sich gemeinsam mit ihrem Nationalpark weiterentwickeln kann. Ich finde, das ist wirklich eine ganz tolle Sache, über die wir uns freuen können.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Meine Damen und Herren, der Nationalpark war mit bereits 7.250 erfassten Arten von Tieren, Pflanzen und Pilzen ein Naturschatz erster Güte. Es wird aufgrund wissenschaftlicher Expertise damit gerechnet, dass es mit dem erweiterten Nationalpark jetzt sogar 10.000 werden können. 1.950 ha werden dazukommen. Die Kommunen bringen ihre Flächen mit ein. Wir haben das bereits besprochen. Das wird wahrscheinlich ein Nationalpark in einer Größenordnung von 7.688 ha werden. Das ist ein wichtiger Beitrag für den Artenschutz, zur Wahrung der Biodiversität. Ich hoffe, dass wir dann im nächsten Jahr gemeinsam über die Fraktionsgrenzen hinweg ganz erfreut die Erweiterung des Nationalparks vor Ort feiern werden. – Herzlichen Dank fürs Zuhören.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

 

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Reden

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